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Behandlung der Umsatzsteuer beim Schadensersatz

Wildschadenszahlung Brutto oder Netto?

 

Bei Wildschäden und sonstigen Haftpflichtschäden stellt sich für Landwirte regelmäßig die Frage: Ist der finanzielle Schadensersatz mit oder ohne Umsatzsteuer zu leisten?  Dr. Günther Lißmann, Sachverständiger aus Kassel, erklärt den Sachverhalt und beschreibt die Vorgehensweise.

 

 

 

 

Dr. Günther Lißmann, Wildschadenssachverständiger aus Kassel

 

 

 

Umsatzsteuer nur bei Leistungsaustausch

Grundsatz bei der umsatzsteuerlichen Betrachtung ist, dass Lieferungen und sonstige Leistungen nur dann steuerbar sind, wenn ein Leistungsaustausch vorliegt. Ein Leistungsaustausch setzt voraus, dass Leistender und Leistungsempfänger vorhanden sind und der Leistung eine Gegenleistung (Entgelt) gegenüber steht. Liegt kein Leistungsaustausch vor, so ist der Umsatz nicht steuerbar. Das ist regelmäßig bei echtem Schadensersatz der Fall. Daher bekommt ein gewerblicher Unternehmer, der der Regelbesteuerung unterliegt, die Reparaturrechnung nach einem Autounfall nur netto von der Versicherung erstattet. Die Zahlung der Versicherung ist nicht auf den Erhalt einer Gegenleistung gerichtet. Ein Leistungsaustausch liegt nicht vor.

 

 

Sauenschäden im Mais: Schadensersatz mit oder ohne Umsatzsteuer?                                                              Fotos: Dr. Lißmann

 

Regelbesteuerung oder Durchschnittssatzbesteuerung

Bei der Regelbesteuerung weisen gewerbliche Unternehmer und optierende Landwirte (Optierer) für die von ihnen getätigten Lieferungen und sonstige Leistungen Umsatzsteuer aus. Die mit diesen Umsätzen in Zusammenhang stehenden Vorsteuern können davon abgezogen werden. Nach Verrechnung von Umsatzsteuer und Vorsteuer entsteht für den jeweiligen Abrechnungszeitraum entweder eine Zahllast oder ein Erstattungsanspruch gegenüber dem Finanzamt.

 

Für den weitaus größten Teil der landwirtschaftlichen Betriebe ist die Durchschnittssatzbesteuerung nach § 24 UStG der Regelfall. Diese Betriebe werden auch Pauschalierer genannt. Die Form der umsatzsteuerlichen Pauschalierung ist im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass Vorsteuersätze und Umsatzsteuersätze so festgesetzt sind, dass der Saldo zwischen Vor- und Umsatzsteuer im Zeitablauf Null ergibt. Pauschalierende Landwirte haben damit den Vorteil, dass für sie aufwendige umsatzsteuerliche Aufzeichnungen und die Abgabe von Umsatzsteuererklärungen entbehrlich sind.

 

Umsatzsteuer als Teil des Schadens

Wir kennen den Fall, in dem der PKW des Landwirts einen unverschuldeten Unfall erlitten hat. Die Rechnung aus der Werkstatt beträgt 10.000 € plus 19% Umsatzsteuer. Der zu zahlende Betrag beläuft sich auf 11.900 €. Der pauschalierende Landwirt erhält im Gegensatz zu seinem optierenden Kollegen den vollen Betrag von 11.900 € erstattet. Optierende Landwirte oder Gewerbetreibende erhalten von der Versicherung – weil echter Schadensersatz – nur den Nettobetrag von 10.000 €. Sie müssen aber an die Werkstatt den vollen Betrag von 11.900 € zahlen. Die Umsatzsteuer von 1.900 € erstattet Ihnen spätestens mit Abrechnung zur Umsatzsteuererklärung das Finanzamt.

 

Dieses Beispiel lässt sich so auch auf die Wildschadensabrechnung übertragen. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass der pauschalierende Landwirt auf seiner Wildschadensrechnung keine 10,7% Umsatzsteuer offen ausweist. Die Umsatzsteuer ist in diesem Fall nur zur Berechnung der Schadenshöhe heranzuziehen. Das bedeutet auch, dass der Sachverständige/Wildschadensschätzer bei der Berechnung der Schadenshöhe unterscheiden muss, ob er einen Landwirt mit Regelbesteuerung (Optierer) oder mit Durchschnittssätzen (Pauschalierer) zu beurteilen hat. Grundsätzlich gilt: Bei der Durchschnittssatzbesteuerung sind die Kosten Brutto in die Rechnung einzubeziehen. Bei der Regelbesteuerung ist lediglich eine Nettokostenbelastung für den Betrieb gegeben.

 

Richtwerte inklusive Umsatzsteuer

Da der weitaus größte Teil der Landwirte Pauschalierer sind, enthalten die in den Richtwerttabellen einzelner Bundesländer herausgegebenen „Richtwerte zur Aufwuchsschadensregulierung an landwirtschaftlichen Kulturen“ schon die 10,7-prozentige Umsatzsteuerpauschale. Das ist beispielsweise in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz so. Diese Werte können für die Schadensberechnung bei Pauschalierern dann direkt übernommen werden. Sollte es sich bei der Schadensberechnung um einen optierenden Landwirt handeln, so ist der jeweils benötigte Richtwert oder am Ende die Schadensersatzsumme, um die enthaltene 10,7-prozentige Umsatzsteuerpauschale zu verringern, um auf die Netto-Schadenssumme zu kommen. Weitere Informationen zur Regulierung von Wildschäden auf www.lissmann.eu.

 

 

Dr. Günther Lißmann, Wildschadenssachverständiger, Kassel